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 Rocky Horror Show (Presseartikel zur Aufführung am 26.06.2010)
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„The Rocky Horror Show“ ist Kult, auch wenn viele nur die Verfilmung dieses Musicals kennen. Doch gerade die Kinofassung „The Rocky Horror Picture Show“ zieht seit 35 Jahren magisch die Fans an. Sie kommen immer wieder und kennen jede Sekunde auswendig. Doch da die Besucher nicht nur zum Zusehen erscheinen, sondern verkleidet die markanten Szenen „mitspielen“, wurde die Rocky Horror Show zu einem einzigartigen Erlebnis.
Die Inszenierung auf der Luisenburg war der fulminante Start in die Festspielsaison 2010. Auch in Wunsiedel kamen Besucher in Strapsen, Lack und Leder, um sich passend gekleidet einzustimmen. Das Stück begann irgendwie schon vor der eigentlichen Aufführung. Schauspieler begleiteten die Gäste zu ihren Plätzen und einige fragten sich, warum denn der „Hausmeister“ im grauen Arbeitskittel ständig wichtig auf und ab läuft. In Wirklichkeit vermischte aber Michael Boettge seine Erzählerrolle mit dem „warm up“ für das Publikum. Als dann noch „verirrte Touristen“ hinten in den Felsen auftauchten, die er vom Spielort verscheuchte, waren sich viele nicht sicher, ob dies schon zum Stück gehört oder tatsächlich passiert. Schließlich gab Intendant Michael Lerchenberg eine amüsante Gebrauchsanweisung zur Rocky Horror Show und bat die Besucher um Zurückhaltung bei ihren Aktivitäten gegenüber den Schauspielern, damit diese und die Technik nicht beeinträchtigt werden, wenn mit Wasserpistolen gespritzt wird. „Wir schießen zurück und haben mehr Wasser als Sie.“ flunkerte er und dann begann das Spektakel.
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In rostiger Schrott-Optik waren die Kulissen gestaltet, was die schrillen Outfits der Akteure besonders zur Geltung kommen ließ und wurden genial in die felsige Naturbühne eingebunden wurden. Brav, aber witzig begann die Aufführung mit der Hochzeit, bei der dann auch der letzte Zuschauer realisierte, dass dies keine „normale“ Veranstaltung werden wird. Kiloweise wurde Reis geworfen und da man die Akteure ja verschonen sollte, prasselte ein Hagelschauer aus Reiskörnern auf die Besucher nieder – alle waren somit plötzlich in die Rocky Horror Show integriert. Die Kenner waren mit Zeitungen ausgerüstet um sich dann auch gegen die Spritzpistolen zu schützen als im Stück das Gewitter hereinbrach. Dies war besonders vorteilhaft als auch der Erzähler verschmitzt tollpatschig mit seinem Gartenschlauch auf der Bühne herum fuchtelte und damit öfters durch den Zuschauerraum schwenkte.
Nach dem seriösen Anfang startete Science Fiction im Transvestit Outfit. Hauptdarsteller Norman Stehr in der schillernden Hauptrolle des Frank’N‘Furter erschien in den Felsen und brachte das Publikum zum Jubeln. Spätestens beim „Time Warp“ gab es kein Halten, als knapp fünfzig Mitwirkende auf der Bühne tanzten. Ob in Schwarz, Weiß oder Rot, regelmäßig in Korsetts, engen Höschen, Strapsen und hochhackigen Schuhen gekleidet, verzückte das Ensemble die Gäste. Häufig konnten die Zuschauer das Geschehen gar nicht überall mitverfolgen, da so viel Action auf der verwinkelten Naturbühne war und das Rocky Ensemble auf dem riesigen Bühnenareal verteilt eine grandiose Show ablieferte. Die Figuren und Charaktere vom Planeten Transsexuell passten perfekt in das felsige Reich der Luisenburg, Horror und Sex light on the rocks im Fichtelgebirge zog daher auch Gäste mit längerer Anreise an. Nicht geplant waren am Freitag das Mitwirken von richtigen Fledermäusen zwischen den Felsen, als Frank’N‘Furter im Fledermausumhang auftauchte, oder dass die leuchtende ISS kurz am Himmel vorbeiflog nachdem Magenta (Gudrun Schade) mit Riff Raff (Hendrik Schall) im Raumschiff die Erde in der Handlung verließen. Aber die Beteiligten haben sich dieses i-Tüpfelchen verdient, denn die Inszenierung war mitreißend und ein optischer Leckerbissen. Ein Riesenballon in dem die Akteure spielten oder das mit Funken startende Raumschiff rundenden das außergewöhnliche Bühnenbild ab. Zum Kult gehörte selbstverständlich auch das Werfen von Klopapierrollen, als Rocky bei seiner „Geburt“ von seinen Bandagen befreit wurde. Bei jedem „Eddie“ riefen die Zuschauer „Shht!“ und bei „Dr. Scott“ „Huuu!“, um nur einige der Kulthandlungen zu erwähnen. Ulrich Talle verkörperte diesen Dr. Everett Scott und legte einen beeindruckenden Tanz im Rollstuhl auf die Bretter.
Die perfekte Umsetzung des Kultmusicals, aufgelockert mit aktuellen Sprüchen, wie „Mann, sind die dick, Mann.“ brachten die Besucher immer wieder zu lachen. Freizügiges Outfit der Akteure sowie die Liebesszenen von Janet Weiss und Brad Majors (gespielt von Isabella Leicht und Matthias Lehmann) mit dem „Meister“ Frank’N‘Furter wurden witzig umgesetzt, so dass das „Sex and Crime“ Thema des Stückes keinen störte, auch nicht als Eddies Kopf zum Horror-Abendessen serviert wurde.
Mit stehenden Ovationen forderten die Zuschauer zwischen den mit Reis und Klopapier bedeckten Sitzplätzen Zugabe. Eine atemberaubende Darbietung des gecasteten Rocky-Ensembles und der Schauspieler wurde vom abschließenden Medley gekrönt. Respekt gebührt ihnen auch, da sie ihre Gesangs- und Tanznummern mit Plateauschuhen nicht nur auf den Bühnenbrettern, sondern auch auf Felsen, Gittern und Kulissen zeigen mussten. Ein dickes Lob haben sich auch die Maske und die Kostümbildner verdient, die wechselnde Kleidung, Perücken oder Glatzen auch während der Vorstellung bestens gestalteten. Nach dieser fantastischen Aufführung kann man schon gespannt sein auf die „Blues Brothers“ Umsetzung in der nächsten Saison. Doch in diesem Jahr stehen Tannöd, Der Brandner Kaspar, Die kleine Hexe, Der Waffenschmied und Wiener Blut auf dem Programm (Kartenbestellung).
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